16. Januar 2026
Das Stadtmarketing Bad Wildungen will das touristische Profil der Stadt grundlegend verändern. Geschäftsführer Dennis Kutschke plant einen klaren Kurswechsel weg vom klassischen Kurstadt-Image hin zu einem modernen Tourismuszentrum. Ziel ist es, Bad Wildungen bis 2035 neu zu positionieren. „Früher war hier mehr los“, „in der Stadt passiert nichts“, „alles wird schlechter“ – solche Sätze hört Dennis Kutschke nach eigenen Worten häufig. Seit rund einem Jahr ist er neuer Geschäftsführer des Stadtmarketings Bad Wildungen. Genau diese Wahrnehmungen seien für ihn der Ausgangspunkt für einen Kurswechsel beim Image der Stadt. Das altbackene Modell der Kurstadt funktioniere heute nicht mehr, meint Kutschke. Erwartungen hätten sich verändert, Zielgruppen ebenso – genauso wie das Reiseverhalten. Bei einem Infoabend in der Wandelhalle stellte Kutschke die neuen Marketingziele vor. Anspruch sei, Bad Wildungen bis 2035 vom klassischen Kurort zu einem Tourismuszentrum weiterzuentwickeln. Es gehe allerdings nicht darum, alles neu zu erfinden. Vielmehr sollen vorhandene Stärken besser sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig stellt Kutschke auch klar: „Wir können kein zweites Willingen werden.“ Doch wie Willingen für Weltcup und Party steht, soll Bad Wildungen 2035 weithin bekannt sein als Urlaubsziel für Menschen, die gesund älter werden wollen – weil sie zuvor in großer Zahl als Reha-Gäste gute Erfahrungen mit der hohen medizinischen Kompetenz des größten hessischen Heilbades gemacht haben. Diese Zielgruppe will Kutschke in viel größerem Umfang gewinnen als private Rückkehrer an ein attraktives Erholungsziel. Als „Healthy Aging“ bezeichnet Kutschke das Kernangebot. Der Gesundheitsurlaub soll die Gäste unterstützen, möglichst lange gesund und aktiv zu leben – durch Prävention, Bewegung, Ernährung und medizinische Begleitung. Zusätzliche Neugier wecken und Bindungskraft entwickeln soll das Urlaubsziel Bad Wildungen durch Geschichte, Märchen und weitere regionaltypische Stärken. Man müsse diese im Stadtbild und im Alltag in den Vordergrund rücken durch einfache Ideen von hohem Wiedererkennungswert – wie ein Schneewittchenbrot beim Bäcker. Die spannenden Themen-Stadtführungen seien zu wenigen Gästen bekannt. Verständlichere Angebote, bessere Straßenschilder und eine stärkere Vermarktung der Heilquellen hat sich der Geschäftsführer ebenfalls auf die Fahne geschrieben. Bad Wildungen habe einen besonderen Kurpark und besondere Quellen. Zu selten werde vermittelt, warum sie etwas Besonderes seien. Ein weiteres Beispiel für Veränderungen in die von Kutschke angepeilte Richtung bildet das Kurorchester. Fünf Musiker sind neu fest bei der Stadt angestellt. Sie geben künftig nicht mehr nur Konzerte, sondern spielen gezielt auch in Kliniken, um Musik als gesundheitsförderndes Element direkt zu den Patienten und künftigen Gesundheitsurlaubern zu bringen. Die Musiker wirken künftig breiter in die Öffentlichkeit hinein, weil sie vermehrt auch als Alleinunterhalter zum Einsatz kommen. Kutschke bezeichnet das Kurorchester in diesem Zusammenhang als Alleinstellungsmerkmal, das bislang zu wenig sichtbar sei. Mobile Touristinformationen in den Kliniken durchlaufen eine Testphase. Im Gegenzug bleibt die Touristinfo in Reinhardshausen vorerst geschlossen, mangels Nachfrage. Kutschke provoziert auch, um Veränderungen zu bewirken: „Die Stadt organisiert zu viele Feste“, meint er. Dabei gehe es ihm nicht darum, beispielsweise den Weihnachtsmarkt infragezustellen. Vielmehr will er darüber nachdenken, wie sich das Engagement der Gewerbetreibenden und der Gastronomie für die Veranstaltungen wieder stärken lasse. „Markenbotschafter der Heimatstadt werden“ Grundlage für seine Herangehensweise bieten Dennis Kutschke seine Gespräche mit Akteuren aus Politik, Verwaltung, Kliniken, Wirtschaft und Bürgerschaft. Sie hätten gezeigt: Das Image der Stadt sei nicht eindeutig, viele schlummernde Chancen würden kaum wahrgenommen. Die Grundstimmung sei oft negativer als die tatsächliche Lage. Veranstaltungen, Kulturangebote, Natur und Geschichte seien vorhanden – sie würden nur zu wenig gesehen. „Wir haben unglaublich viel“, sagt er. „Aber wir kommunizieren es schlecht.“ Auffällig sei dabei, dass Auswärtige die Stadt oft deutlich positiver wahrnähmen als es die Einheimischen täten. Das bestätigte eine Wortmeldung aus dem Publikum: Sie habe sich bewusst entschieden, nach Bad Wildungen zu ziehen wegen der Attraktivität der Stadt, berichtete eine zugezogene Frau. Sie bereue ihre Entscheidung nicht. Die Bevölkerung selbst werde für den Erfolg der Entwicklung benötigt – in dem sie selbst die Infrastruktur nutze und schätze, indem sie die Rolle als „Markenbotschafter“ ihrer Heimatstadt annehme, bestätigt Kutschke: „Als Wahl-Wildunger entdecke ich selbst jeden Tag neue Seiten der Stadt.“ Ein zentraler Ansatz sei , die Kommunikation zu verbessern. Die Internetseite der Stadt soll einfacher strukturiert werden. WhatsApp, Instagram, Facebook, die Heimatzeitung und die Touristinfo selbst sollen verstärkt genutzt werden für die Kommunikation nach außen und innen. Der Kurzurlauber soll gleich beim Eintreffen voll orientiert werden, was er zwei oder drei Tage lang in Bad Wildungen erleben kann – übersichtlich, verständlich, im Idealfall auf einen Blick.