31. Dezember 2025
Es war eng im Studio auf Rädern. Kabel lagen auf dem Boden, Instrumente lehnten an der Wand, draußen zogen Menschen mit Einkaufstüten vorbei. Sie blieben stehen, hörten zu. Fünf Tage lang wurde die Brunnenallee am Kurschattenbrunnen zum Mittelpunkt des „Wildunger Weihnachtswunders“ – einer besonderen Weihnachtsradiosendung von Fischer & Co. Radio und dem Jugendhaus Bad Wildungen. Vom 19. bis 23. Dezember sendete der Bad Wildunger Internetradiosender täglich live von der Brunnenallee aus einer „Tiny Church“, die am Kurschattenbrunnen aufgestellt war. Die mobile Kirche der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wurde dort als Radiostudio genutzt. „Die Tiny Church soll dahin gehen, wo Menschen sind. Dass sie hier als offenes Radiostudio genutzt wird, passt sehr gut zu diesem Gedanken“, sagte Ronja Wiese von Kirche unterwegs. Zwischen Lichterketten, Technik und neugierigen Passanten ging Moderator Marvin Fischer, Gründer von Fischer & Co. Radio, täglich auf Sendung – morgens von 7 bis 11 Uhr sowie abends von 17 bis 22 Uhr. Immer wieder blieben Spaziergänger stehen, hörten zu oder warfen einen Blick ins Studio. „Das Weihnachtsradio war nicht nur hörbar, sondern sichtbar und erlebbar“, sagte Fischer. Gesendet wurde live von der Brunnenallee, zu hören war die Sendung unter: www.fischerundcoradio.de. „Das war unser zweites Wildunger Weihnachtswunder“, sagte Marvin Fischer. „Nach dem ersten Weihnachtsradio im vergangenen Jahr war schnell klar, dass wir das wieder machen wollen. Die Resonanz war damals enorm.“ Musikalisch prägten zahlreiche regionale Musikerinnen und Musiker aus Bad Wildungen und der Region das Programm. Die Ukulele-Gruppe der Musikschule Bad Wildungen „Ukulala“ zupfte weihnachtliche Klänge, ebenso das Trio „Caro Kiste Kontrabass“ aus Kassel mit deutschsprachigen Liedern zwischen Chanson, Folk und Akustik-Punk. Auch Sambamba mit brasilianischer Folklore sowie die Ukulele-Gruppe „The Diamonds“ aus dem Jugendhaus Bad Wildungen und die Big Band des Gustav-Stresemann-Gymnasiums waren Teil des Programms. Das entwickelte sich häufig spontan: Es wurde live über Bienen im Winter gefachsimpelt, Gedichte wurden direkt ins Studio eingesprochen, Hörerinnen und Hörer wünschten sich Musik. „Viele Geschichten sind hier ganz ungeplant entstanden“, sagte Fischer. „Man muss den Menschen nur zuhören.“ Einen festen Ruhepunkt setzte jeden Abend der „LichtMoment“ um 21.30 Uhr – eine kurze Andacht, gestaltet von Pfarrerin Kerstin Palisaar. „Ich bin begeistert davon, wie dieses Radio Menschen zusammenbringen kann“, sagte Palisaar. Sterne sägen für den Kinderhospizverein Direkt vor dem Radiostudio wurde es an zwei Tagen handwerklich – und herzensgut. Vor der Sternapotheke sägten Passanten gegen eine Spende eigene kleine Holzsterne. Die Aktion wurde von der Bad Wildunger Initiative für Demokratie, Vielfalt und Toleranz organisiert. Der Erlös ging an den Kinderhospizverein. Über 320 Euro kamen zusammen. Die Spenden wurden live im Radio übergeben. „Wir waren überrascht, wie viele Menschen mitgemacht haben“, sagte Anette Jäger von der Initiative. „Dass wir diese Unterstützung direkt ‚On Air‘ weitergeben konnten, war ein besonderer Moment“, ergänzte Fischer. Besonders berührt hat Fischer nach dieser Aktion eine Begegnung mit einer 93-jährigen Hörerin. „Sie hat sich ein Lied gewünscht, zu dem sie früher immer mit ihrem Mann getanzt hat. Als das Lied lief, tanzte sie draußen vor dem Tiny House, und rief in den Himmel: ‚Hörst du das? Das ist unser Lied!‘ Genau das sind die Momente, die mich tief berühren.“ Gemeinsames Singen auf der Brunnenallee Höhepunkt war das gemeinsame Weihnachtslieder-Singen am 23. Dezember direkt vor dem Radiostudio mit rund 40 Teilnehmenden. Begleitet von einem Lagerfeuer, das das Jugendhaus Bad Wildungen organisierte, sowie einem Kuchenverkauf des Abiturjahrgangs des Gustav-Stresemann-Gymnasiums, kamen große und kleine Stimmen zusammen. Sänger Colin Sporberg leitete das offene Mitsingen. Mehrere Generationen stimmten Klassiker wie „O Tannenbaum“ oder „Feliz Navidad“ an. „Gerade dieses gemeinsame Singen mitten auf der Brunnenallee hat mir sehr gut gefallen“, sagte Fischer. Auch Sporberg zeigte sich bewegt: „Es ging nicht darum, perfekt zu singen – sondern gemeinsam da zu sein.“ Mit Blick auf das Projekt zeigte sich Fischer stolz auf die Resonanz: „Beim ersten Weihnachtswunder hatten wir rund 15.000 Hörer. Darauf bin ich stolz – und ich bin gespannt, ob wir das dieses Jahr geknackt haben.“